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Die OTDP-Story Am Anfang war das Nichts Vor der Gründung der OTDP 1958 gab es im oberschwäbischen Raum keine wahrnehmbare Jazz-Szene. Lediglich einige kleinere Gruppen fanden sich zu Swing-Sessions zusammen, traten aber nicht an die Öffentlichkeit. Die einzige Jazzveranstaltung überhaupt war bis dahin ein Konzert der weithin bekannten Tremble Kids aus Zürich. So ist es wohl erlaubt, 50 Jahre OTDP mit 50 Jahren Jazz im Oberland gleichzusetzen. ![]() Wanderung an Himmelfahrt 1960 Die Schwierigkeit war nur, daß die meisten von ihnen keine musikalische Ausbildung und noch nie ein Instrument in der Hand hatten. Wie sich Jazz anhört, das wußten sie, aber nicht wie er gemacht wird, denn es waren weder Literatur noch jazzkundige Lehrer zu finden. So fiel Gunter Stotz bald die Rolle´ des Lehrmeisters und unermüdlichen Organisators zu. Gewissermaßen mußte man den Jazz nochmals nacherfinden. 2 Episoden sind dafür charakteristisch: Eines Tages im Januar 1958 hörte Gunter im Flur des Junggesellen Wohnheimes, in dem er wohnte, Musik von Louis Armstrongs Hot-Five. Er folgte dem Klang und kam so mit seinem Mitbewohner Helge Wassung ins Gesprä ch, natürlich über Jazz und die Gründung einer Band. Helge war sofort dabei, kaufte sich ein Waschbrett und Fingerhüte und versuchte sich damit als Schlagzeugersatz. Da Helge vom Sound des Banjos besonders angetan war und er schon etwas Wandergitarre spielte, reizte es ihn, auf Banjo zu wechseln. Gunter pflichtete bei „das hast du schnell drauf, es hat ja »nur« 4 Saiten“. In Ravensburg waren aber weder ein Banjo noch eine Banjoschule aufzutreiben. Als es Gunter schließlich gelang, von einem Jazzer aus Gießen ein Banjo zu beschaffen, setzten sich Gunter und Helge zusammen und suchten mühsam nach den richtigen Griffen für die Akkorde. ![]() Probe in der Franzosenkaserne
Probe im Grünen Saal
der Humpisstube ,1958.![]() Das 1. Jazzkonzert, Hotel Hildenbrand, 20.12.1958 ![]() Zunächst fanden die jungen Jazzer eine Übungsmöglichkeit in der Franzosenkaserne. Schon bald mußte diese aufgegeben und eine neue gefunden werden. Man war jedoch nirgends lange geduldet und zog deshalb ständig in der ganzen Stadt von Lokal zu Lokal. So probte man zum Beispiel im Grünen Saal der Humpisstube, wo der Boden so abschüssig war, dass das Schlagzeug angebunden werden mußte. Auch dieses Idyll währte nicht lange. Irgendwann landete man nach einer Probe in der Wirtschaft Promenade und packte, noch erfüllt von der Begeisterung über das eigene Musizieren, die Instrumente nochmals aus. Ein Gast ging mit seinem Hut herum und sammelte Kleingeld. Es war die erste »Gage« der noch namenlosen Band. Aus diesem Anlass kam man auf den Namen »Old Town Dixie Promenaders«. Außerdem klang er ja so schön rhythmisch wie »King Olivers Dixie Syncopaters«. ![]() Straßenparade zur Riverboatshuffle in Eberbach, 1959.
Straßenparade zur Riverboatshuffle in Eberbach, 1959.![]() Im Flappachbad, 1959 ![]() Wanderung am Himmelfahrt, 1960. ![]() Im Ravensburger Jazzkeller. – die erste Riverboatschuffle auf dem Bodensee mit dem Jazzclub Lindau – die Eröffnung des ersten Ravensburger Jazzkellers. Hier spielten die OTDP längere Zeit regelmäßig und der Keller entwickelte sich zum beliebten Treffpunkt der Jugend. – das erste Biberacher Jazzkonzert zusammen mit den Riss Town Stompers – die Beteiligung an den Biberacher Jazztagen u.a. mit den Frankfurter Two Beat Stompers – das erste Zusammentreffen mit der Dutch Swing College Band bei einer Jam Session nach ihrem Konzert im Stadttheater Lindau. Seither verbinden freundschaftliche Beziehungen die Musiker miteinander. – die Einladungen der Ravensburger Faschingsgesellschaft Milka zu Auftritten in der Oberschwabenhalle und im Konzerthaus, sowie im Mannheimer Rosengarten als Milka- Beitrag zum Feuerio - Programm. ![]() Im Flappachbad, 1959 ![]() Im Flappachbad, 1959 ![]() Konzert im Kali zur Verabschiedung von Gunter Johan Stotz ins Ausland. Zu dieser Zeit verließ Helge Wassung die Band für viele Jahre. Der Gitarrist Fritz Schlaf trat an seine Stelle. Der dadurch eingeleitete stilistische Wandel vom alten New Orleans Jazz zum Dixieland veranlaßte Paul Schürnbrand, sich mit dem Kontrabaß als zweitem Instrument zu befassen. Mit der Rückkehr von Gunter Stotz von seinem zweiten Auslandsaufenthalt Anfang 1967 und mit dem Zugang von Roland Wohlhüter als Trompeter Ende 1968 konsolidierte sich die Band endgültig und fand zu der Form, mit der sie durch swingenden Drive der Rhythmusgruppe, kompakte Bläserarrange - ments sowie beachtliche Kollektiv - und Soloimprovisationen hervorstach und die sie bis heute auszeichnet. Die OTDP waren gefragt und traten in der gan - zen Region auf. ![]() Bei der Milka ![]() Konzert im Festsaal von Kloster Weissenau zum 35. Jubliläum der OTDP, 1993. Gunter Stotz und Roland Wohlhüter wanderten zur Dirty River Jazzband ab, wo sie wesentlichen Anteil an deren Aufstieg hatten und trafen dort Helge Wassung wieder. Schlagzeuger »Charly« Eberl mußte aus beruflichen Gründen aufhören. Die »Hinterbliebenen« formierten sich noch im selben Jahr neu und entwickelten die Tradition der OTDP unter dem Namen »new JAZZCOMPANY« mit großem Erfolg weiter. Indessen verloren sich die Promenaders nicht aus den Augen und fanden sich immer wieder zu Auftritten zusammen. ![]() Im Flappachbad, 1959 Seitdem treten die OTDP wieder jährlich mehrmals auf, reifer geworden durch die Erfahrung der Jahre, aber mit ungebrochener Begeisterung und Spiellaune – zum eigenen Spaß und zur offensichtlichen Freude der Fans. Auch ihre kleineren Formationen, die OTP, finden ständig steigendes Publi - kumsinteresse. Der Jazz-Virus hält die Promenaders immer noch im Griff und eine ‚Genesung’ ist nicht absehbar. Wie war das noch? „... die sechs »älteren Herren« der Dixie - Promenaders ... spielten, eingebettet in einen swing, dass man überzeugt ist, bei diesen Sechs wirke der Jazz als Aphrodisiakum! Lionel Hampton spielte bis 90! Na denn!“ Schau’n mer mal, Herr Frommlet! ![]() Die Old Town Promenaders 2008 (Die kleine Formation) |